Gottfried Benn: Nur zwei Dinge

Gottfried Benn (1886 – 1956)

Nur zwei Dinge
Durch so viel Form geschritten,
durch Ich und Wir und Du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu?

Das ist eine Kinderfrage.
Dir wurde erst spät bewußt,
es gibt nur eines: ertrage
– ob Sinn, ob Sucht, ob Sage –
dein fernbestimmtes: Du mußt.

Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.

(1953)

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, wie man leben soll

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4 Kommentare zu „Gottfried Benn: Nur zwei Dinge

  1. Von den tiefsten intensivsten Poetenformen ist mir dieses
    von Gottfried Benn: Nur zwei Dinge / am tiefsten und am nächsten / es birgt einen Zauber dessen Kraft unerklärbar bleibend.
    Ein Leben lang.

    Gefällt 1 Person

      1. Ja genau / Seelische Sezierstücke in eine unvergessliche Form gebracht / manches von ihm ist so intensiv das ich es nur in Etappen aufnehmen kann / manches macht mich heute noch still und sprachlos / er gab seinen Texten eine Kraft mit die einzigartig ist.

        Gefällt 1 Person

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