Ingeborg Bachmann: Ängste

Ingeborg Bachmann (1926 – 1973)

Ängste

Was wird denn bleiben?
Ich seufze, leide, suche,
und meine Wanderschaften
werden niemals enden.
Der dunkle Schatten,
dem ich schon seit Anfang folge
führt mich in tiefe Wintereinsamkeiten.
Dort steh ich still […].
Blaue Gespenster springen in den Raum.
Die Abgeschiedenen, die vor mir irrten
Verlangen herrengleich ein altes Recht.
Nun werden sie bezahlt mit Blüten,
die viele Sommer sahen
und diesen Winter brechend niederfallen.
Die Bäume brüten Kälte vor sich hin
und Tränen, die mir Mondenglanz entlockte
hängen als dürre Zapfen sich ins Eis.
So, wie dort drüben, überm Gletscherhang,
die Langverblichenen ihr Blut verströmten,
so folg ich nach, auch ihnen gleich zu tun.
Ich horche den Jahrhunderten entgegen
und ganz erloschen will ich dort nicht sein.
Dem Schatten, der so weit will gehen,
versuch ich meine Spuren einzudrücken,
nur fürchtend mich vergeblich zu
verschwenden.
___

Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedichte, wenn das Leben schwierig ist oder man Angst hat

Das Leben nimmt seinen Lauf, wir gehen mit. Man sieht rundrum, was passieren kann und fürchtet, auch der eigene Weg sei nicht immer nur schön – oder hat das gar auch erlebt. Was bleibt ist, zu versuchen, seine Spur zu finden und ihr zu folgen. Wir können nicht die Welt ändern, wir können nur mit Zuversicht weiter gehen und hoffen, dass was bleibt und dass sich der Einsatz schlussendlich gelohnt hat. Doch schon die Zuversicht, dass es so sein kann, bringt Kraft mit sich.

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