Mascha Kaléko: Resignation für Anfänger

Mascha Kaléko (1907 – 1975)

Resignation für Anfänger

Suche nichts. Es gibt nichts zu finden,
Nichts zu ergründen. Finde dich ab.
Kommt ihre Zeit, dann blühen die Linden
Über dem frischgeschaufelten Grab.

Kommt seine Zeit, dann schwindet das Dunkel,
Funkelt das wiedergeborene Licht.
Nichts ist zu Ende. Alles geht weiter.
Und du wirst heiter. Oder auch nicht.

Zwischen Vergehen und Wiederbeginnen
Liegt das Unmögliche. Und es geschieht.
Wie und Warum waren nie zu ersinnen.
Neu klingt dem Neuen das uralte Lied.

Geh nicht zu Grunde, den Sinn zu ergründen.
Such du nicht. Dann magst du ihn finden.

(1974)

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, wenn man Trost braucht oder das Leben verstehen möchte

Alles im Leben hat seine Zeit, Dinge enden, neue entstehen, gute, schwere. Oft suchen wir nach einem Sinn hinter den Dingen, wollen verstehen, warum sie uns passieren, weil wir denken, dass, wenn wir sie verstehen, sie leichter zu tragen wären. Leider gibt es diesen Sinn nicht, die Frage nach dem Warum läuft ins Leere. Wir können das Leben nur annehmen mit allem, was es uns bringt.
Irgendwann im Rückblick erschliesst sich uns vielleicht ein Sinn hinter den Dingen. Zwar ist der auch von uns selber hineingelesen und steckt nicht in ihnen drin, aber er hilft uns, das Leben und alles darin für uns einzurichten. Das ist mitunter ein Trost.

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