Hermann von Gilm zu Rosenegg: Allerseelen

Hermann von Gilm zu Rosenegg

Allerseelen

Stell auf den Tisch die duftenden Reseden,
Die letzten roten Astern trag herbei
Und lass uns wieder von der Liebe reden,
Wie einst im Mai.

Gieb mir die Hand, dass ich sie heimlich drücke,
Und wenn man’s sieht, mir ist es einerlei;
Gieb mir nur einen deiner süssen Blicke,
Wie einst im Mai.

Es blüht und funkelt heut auf jedem Grabe,
Ein Tag im Jahr ist den Toten frei;
Komm an mein Herz, dass ich dich wieder habe,
Wie einst im Mai.

(1843)

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, wenn die Liebe gestorben ist

Ein Gedicht von einem Autor, dessen Namen man kaum noch kennt. Das Gedicht hat ihn überlebt, vor allem die Wendung „wie einst im Mai“(überlebt hat es wohl auch, weil es von Richard Strauss vertont wurde). Einer erinnert sich und will es wieder so haben wie es mal war. Von der Liebe reden will er, weil, wenn man noch gemeinsam von der Liebe redet, ist sie noch da. Wenn die Liebe endet, ist meist auch das Gespräch aus, dann redet man nicht mehr zusammen, sondern gegeneinander und das nicht von der Liebe, nicht liebevoll. Lass uns von der Liebe reden, lass uns ein Herz fassen und sie wieder spüren. So, wie es mal war. Und wenn auch nur die Erinnerung bleibt und diese schön ist, so hat doch was überlebt, woran man ab und an gerne zurückdenkt – so, wie dieses Gedicht überlebt hat.

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