Christian Morgenstern: Die beiden Esel

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Die beiden Esel*

Ein finstrer Esel sprach einmal
zu seinem ehlichen Gemahl:

„Ich bin so dumm, du bist so dumm,
wir wollen sterben gehen, kumm!“

Doch wie es kommt so öfter eben:
Die beiden blieben fröhlich leben.

(1905 erschienen)

_____

Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man in jeder Lebenslage lesen kann und dann, wenn man sich über Menschen ärgert

Und weil sie fröhlich weiterleben,
gibt es viele Esel. Eben!

Das Leben muss nicht immer bitterernst sein. Manchmal muss man es einfach von der lustigen Seite nehmen, den Humor bewahren, fröhlich sein.

Natürlich steckt hinter den fröhlichen Zeilen ein tieferer Sinn. Es gibt dumme Menschen (i. S. von Menschen, die einem das Leben schwer machen, die nicht nachdenken über das, was sie tun und lassen, die einem Energie rauben, u. v. m.) und man wird mit ihnen im Leben konfrontiert. So sehr man sich auch ärgert, so sehr man sich eine Welt ohne dumme Menschen wünscht, sie sind da und werden es immer sein. Indem man sich über sie ärgert, wird man nichts ändern, schon gar nicht sie. Man vergiftet nur die eigenen Gedanken und Gefühle. Was man ändern kann, ist nur die eigene innere Haltung. Dabei kann Humor helfen.

*zit. nach Christian Morgenstern: Alle Galgenlieder, Insel Verlag 1958.

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