Erich Fried: Meer

Erich Fried (1921 – 1988)

Meer

Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren

und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes
einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen

Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen
nur Meer

Nur Meer

___

Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, wie man leben soll

Unser Alltag ist oft voller Dinge, die wir sollen oder wollen, wir rennen ihnen hinterher und drehen uns im Hamsterrad, dass uns oft selber schwindlig wird.
Wenn wir dann mal Ruhe haben, eine Auszeit, dann fangen wir an zu fühlen. Das Rennen hört auf, wir spüren den Boden unter den Füssen. Es gibt nichts mehr, was wir sollen oder wollen, es ist einfach grad alles da.

Advertisements

2 Kommentare zu „Erich Fried: Meer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s