Friedrich Nietzsche: Vom Willen zum Leide

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900)

Vom Willen zum Leide*

Vom Willen zum Leide.
Vom Gesicht zum Räthsel.
Von der Seligkeit wider Willen.
Vor Sonnen-Aufgang.
Von der verkleinernden Tugend.
Vom Vorübergehen.
Das Winterlied.
Von den Abtrünnigen.
Die Heimkehr.
Von den drei Bösen
Vom Geist der Schwere.
Die Beschwörung.
Der Genesende.
Von der grossen Sehnsucht.
Von alten und neuen Tafeln
Und noch ein Mal!
Das andre Tanzlied.
Vom Ring der Ringe.

(Ende 1883)

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn das Leben mal schwierig ist.

Ist es ein Gedicht? Oder doch nur die Disposition zum Zarathustra, in welchem Nietzsche in hymnischer Prosa über den Denker Zarathustra schreibt und diesem eigentlich die eigene Philosophie in den Mund legt, im Glauben, die zeitgenössische Leserschaft sei dem Werk nicht gewachsen, weswegen er es auch ein Buch für Alle und Keinen nennt? Ist es beides?

Zarathustra propagiert den Übermenschen, den Menschen, der über sich hinauswächst. Es soll ein schaffender Mensche sein, einer, der sich liebt und sich nicht verknechten lässt. Es soll ein Mensch sein, der das Leben liebt und den eigenen Fähigkeiten vertraut – und sie einsetzt in der Tat. Der Mensch soll seinem eigenen Willen gehorchen, nicht dem eines anderen. Er soll sich nicht unterwerfen lassen und selber Verantwortung übernehmen. Er soll mit Mut durchs Leben gehen.

Und wie einer dahin kommt, was es bedeutet, ein solcher Mensch zu sein, das verkündet Zarathustra und das lässt sich auch aus dieser Disposition rauslesen, die durchaus einen zugrundeliegenden Rhythmus hat. Sie beschreibt das Leben, mit allem, was es mit sich bringt: Leid, Rätsel, Seligkeit und Sehnsucht. Es gibt Böses und Schweres, Altes und Neues, einige gehen, andere kommen heim. Nur, wenn man all das annimmt, den Willen hat, es zu tragen, wie es kommt, dann wird man zu dem Menschen, der über sich hinauswächst, der das Leben meistert mit all seinen Hindernissen.

*zit. nach Friedrich Nietzsche: Nachlass 1882 – 1884, Kritische Studienausgabe Band 10

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