Wilhelm Busch: Kritik des Herzens

Wilhelm Busch (1832 – 1908)

Kritik des Herzens

Ich wusste, sie ist in der Küchen,
Ich bin ihr leise nachgeschlichen.
Ich wollt’ ihr ew’ge Treue schwören
Und fragen, willst du mir gehören?

Auf einmal aber stutzte ich.
Sie kramte zwischen dem Gewürze;
Dann schneuzte sie und putzte sich
Die Nase mit der Schürze.

(1874)

_____

Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn man unglücklich liebt

Manchmal stellen wir uns die Realität plastisch vor, machen unsere Pläne von unseren Vorstellungen abhängig, nur um dann mit der Realität konfrontiert zu werden – und alles platzt wie eine Seifenblase. Hier verlor die Köchin plötzlich ihren Reiz, weil sie doch nicht so toll war, wie gedacht. Vielleicht ist noch so manche® Angebetete in Tat und Wahrheit nicht so toll, wie man sich das vorstellt, während man darüber weint, dass die eigene Liebe nicht erwidert wird?

Oft ist es auch andersrum: Wir bauschen Risiken und Gefahren auf, malen sie uns in düstersten Farben aus und lähmen uns selber durch immer grösser werdende Ängste, nur um dann zu sehen: Eigentlich ging alles gut, war alles gar nicht so schlimm. So ist es denn besser, das Leben Schritt für Schritt anzugehen und zu schauen, was wirklich ist, statt sich in eigene Vorstellungen zu versteigen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s