Peter Rühmkorf: Ausser der Liebe nichts

Peter Rühmkorf (1829 – 2008)

Ausser der Liebe nichts

Flüchtig gelagert ist dieses mein Gartengeviert,
wo mir der Abend noch nicht aus dem Auge will,
schön ist’s,
hier noch sagen zu können: schön,
wie sich der Himmel verzieht und die Liebe zu Kopf steigt,
all nach soviel Unsinn und Irrfahrt
an ein sesshaftes Herz zu schlagen, du spürst
einen Messerstich tief in der Brust
DIE FREUDE.

Wo nun dieser mein Witz das Land nicht verändert,
mein Mund auf der Stelle spricht,
– hebt sich die Hand und senkt sich für garnichts das Lid –
doch solang ich nun atmund-rauchend-besteh,
solang mich mein Kummer noch rührt
und mein Glück mich noch angeht,
will ich
was uns die Aura am Glimmen hält,
mit langer Zunge loben!

Unnütz in Anmut: Dich,
wo die Nacht schon ihr Tuch wirft
Über dein ungebildetes Fleisch, es kehren
alle Dinge sich ihre endliche Seite zu,
und aus ergiebigem Dunkel rinnt
finstere Fröhlichkeit…
Ich aber nenne diesseits und jenseits der Stirn
ausser der Liebe nichts,
was mich hält und mir beukommt.

 

___

Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn man liebt

Es spricht von der Freude, von einem schönen Abend, von der Liebe und ist dabei trotzdem nicht einfach kitschiges Lob auf eine ach so schöne Welt, sondern ein starkes Bild gegen das verbreitete „die Welt ist grausam und schlecht“. Es ist nicht alles gut, Kummer, Unsinn und Irrfahrt werden angetönt, aber an dem Abend ist das Leben schön, die Freude gross (sogar in Majuskeln) und die Liebe hält. Und um diese schönen Momente geht es doch im Leben.

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