Es geht mir gut. Trotzdem!

Das Leben ist kein Ponyhof!

Wer kennt den Ausspruch nicht. Er kommt meist von aussen und als Reaktion auf etwas, das man sich im Leben nun wirklich nicht gewünscht hat. Das Unerwünschte kann dabei alle möglichen Formen und Schweregrade annehmen, zurück bleibt der Gedanke:

So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Vorstellungen sind schön und gut, doch wenn die Realität dazwischen funkt, gibt es grundsätzlich eine Frage:

Wie gehe ich damit um?

Die erste Reaktion wird wohl kaum ein Freudensprung sein, ab und an mag man mit dem Schicksal hadern, schimpfen, toben, weinen. Doch wie geht es weiter? Ändern wird sich durch all diese Dinge nichts, zieht man sie in die Länge, werden sie eher zusätzlich zum Problem, da sie einen in die Negativspirale zwingen, aus welcher heraus Licht am Ende des Tunnels noch schwerer zu sehen ist, von Lösungen ganz zu schweigen.

Vom amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr ist dieses wunderbare Gelassenheitsgebet überliefert:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Es muss nicht Gott sein, der einem diese Dinge gibt, sie in sich selber zu finden oder zu entwickeln, hilft, mit Situationen, die nicht wunschgemäss verlaufen, umzugehen. Wir haben nicht alles in der Hand, wichtig ist, zu sehen, was wir in der Hand haben, und dieses anzugehen. Wichtig ist aber auch, sich bewusst zu werden, dass das Leben mitunter Wege geht, die ungewünscht, aber doch nicht zu ändern sind. Sich dann daran aufzureiben wird nichts bringen, denn wie schon Epiktet sagte in seinem „Handbüchlein der Moral“:

Einige Dinge stehen in unserer Macht, andere hingegen nicht. In unserer Macht sind Urteil, Bestrebung, Begier und Abneigung, mit einem Wort alles das, was Produkt unseres Willens ist. Nicht in unserer Macht sind unser Leib, Besitz, Ehre, Amt, und alles was nicht unser Werk ist. Was in unserer Macht ist, ist seiner Natur gemäß frei, kann nicht verboten oder verhindert werden; was aber nicht in unserer Macht steht, ist knechtisch, kann verwehrt werden, gehört einem anderen zu.
Deshalb bedenke, dass du Hinderung erfahren, in Trauer und Unruhe geraten, ja sogar Götter und Menschen anklagen wirst, wenn du das von Natur Dienstbare für frei und das Fremde für dein eigen ansiehst. Hältst du dagegen für dein Eigentum nur, was wirklich dein eigen ist, und betrachtest das Fremde als fremd, so wird dich niemand jemals zwingen oder hindern; du wirst niemanden anklagen oder beschimpfen, und nicht das geringste mit Widerwillen tun; niemand kann dir schaden; du wirst keinen Feind haben, und nichts, was dir nachteilig sein könnte, wird dir begegnen.

Wie also geht man mit Dingen um, die man schlicht nicht ändern kann? Dinge, die einen im ersten Moment vielleicht schocken, wütend oder traurig machen? Was kann man tun, um nicht daran zu zerbrechen oder wenn nicht gleich so dramatisch, so doch frustriert durch die Welt zu laufen?

Es gibt den Begriff der Resilienz. Er stammt aus dem Lateinischen vom Wort resilire, was so viel heisst wie „abprallen, zurückspringen“. Wieso die Dinge nicht einfach abprallen lassen, die man sowieso nicht ändern kann? Wieso nicht einen Schritt zurück gehen, hinschauen, sich für Gelassenheit oder Mut entscheiden mit der entscheidenden Weisheit, um dann sicheren Schrittes weiter zu gehen? Resilienz meint genau das: Widerstand gegen die negativen Gefühle und Einflüsse bieten, selber positiv bleiben, eigene Stärken mobilisieren, statt sich im Sog des Negativen herunterziehen zu lassen.

Sinnvoll wäre sicher, sich diese Kraft und Widerstandfähigkeit in guten Zeiten anzueignen. Man lernt auch besser schwimmen, bevor man ins Wasser fällt. Ist das Kind erst in den Brunnen gefallen, kann man nicht mehr üben, dann muss die Rettung sitzen. Doch trotzdem ist auch dann Hilfe möglich. Es ist nie zu spät, sich drum zu kümmern, dass es einem gut geht. Und gerade, wenn die Zeiten mal hart sind, ist es schön, zu sagen:

Es geht mir gut. Trotzdem.

Aus diesem Trotzdem erwächst eine Kraft, die Widrigkeiten zu meistern. Mit Mut, Gelassenheit und Weisheit.

2 Kommentare zu „Es geht mir gut. Trotzdem!

  1. Sehr, sehr kluge Worte, Sunny. Zum Einen denke ich, dass man Kraft und Gelassenheit erst durch Krisen erlernt und zum Anderen ist dies ein Grund kaum mal eine Befindlichkeit von mir mitzuteilen, auch innerhalb der Familie und schon gar nicht in der virtuellen Welt …

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