Was ist der Mensch?

Beim Lesen dieser Frage ist wohl oft die erste Reaktion, dass das doch klar ist. Schlussendlich erkennen wir alle einen Menschen, wenn wir einen sehen. Würde man uns verschiedene Lebewesen vorsetzen, eines davon wäre ein Mensch, wäre mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ziemlich klar, welches davon derselbe ist. Wir entscheiden hier aufgrund rein optischer Kriterien. Was also wie ein Mensch aussieht, ist ein Mensch.

Geht es um die Definition des Menschseins, kommen allerdings noch weitere Kriterien zum Tragen, Kriterien, die nicht nur optisch festmachbar sind. Wir reden über die Würde des Menschen, über ein menschenwürdiges Dasein und empfinden ein Verhalten als menschenwürdig – oder eben nicht. Als Menschen haben wir Rechte, aber auch Pflichten, die sich aufgrund unseres Mensch-Seins ergeben. Was also macht uns als Menschen aus?

Oft liest man die Forderung, alle Menschen seien als Gleich gleich zu behandeln. Sind wir wirklich alle gleich? Und was, wenn wir nicht gleich wären? Dürfte man uns dann auch ungleich behandeln, müsste man es nicht sogar?

Schiller sagte mal:

«Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.»

Wird uns als Menschen nicht oft das Spiel ausgetrieben, weil der Ernst des Lebens nun beginne? Was wären wir dann noch nach Schillers Definition? Halbe Menschen? Keine mehr? Wir hören, dass wir lernen müssen, fürs Leben, für die Zukunft. Fehler sind verpönt, Leistung und Erfolg gefragt. Doch sagte schon Goethe:

Es irrt der Mensch so lange er strebt.

Sind wir als menschen also gar zum Scheitern verurteilt? Der Mensch ein mangelhaftes Wesen? Wieso also sehen wir uns als Krönung der Schöpfung? Tröstlich mutet da immer der Ausspruch Goethes an:

«Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.»

Den Ort zu finden, das ist wohl das, was Frieden bringt im Leben. Möge ein jeder einen solchen Ort haben. Aus diesem Frieden heraus, aus dieser Ruhe, die damit einhergeht, lassen sich dann die grossen Fragen des Lebens angehen. Fragen wie:

Was ist der Mensch?

Es scheint, das Leben hat mehr Fragen als Antworten. Oft suchen wir verzweifelt nach Antworten, weil wir erst dann Ruhe zu finden glauben, wenn wir sie haben. Wie oft aber sind Antworten nur vorübergehende Wahrheiten, momentane Ansichten?1 Fragen bleiben. Und sie regen immer wieder neu zum Denken an. So gesehen bilden sie eine Konstante im Leben. Und doch halten sie dasselbe lebendig durch das aktive Durchdenken der möglichen Antworten – und wieder Hinterfragen.

Das heisst nicht, dass es nie Antworten gibt. Natürlich gibt es sie. Und sie dürfen (sollen sogar) Basis zum Handeln sein. Wichtig ist, sie nicht dogmatisch und absolut zu setzen. Denn: Rüttelt ein Sturm an einem versteinerten Ast, wird er über kurz oder lang brechen. Rüttelt er an einem biegsamen, noch lebendigen, wird er sich nicht aufgeben, aber er kann mit dem Sturm tanzen und wenn nötig neue Richtungen einschlagen.

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1Trotzdem möchte ich in nachfolgenden Artikeln auf die eine oder andere der hier gestellten Fragen eingehen. Vielleicht regen sie ja hier schon zum Denken an.

2 Kommentare zu „Was ist der Mensch?

  1. Der Mensch akzeptiert in der Regel Anworten, die ihm selber passen und die andere in die Pflicht nehmen, denn alle Industriestaaten haben eines gemeinsam. Jeder betrachtet sich als absolutes Individuum, während die (noch) existierenden Urvölker sich immer als Gemeinschaft betrachten und ihrerseits ihre Umgebung (Natur) als Teil davon wahrnehmen.

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